Verkehrte Welt: Besuch aus Mali/Afrika in Nienburg

Nienburg. Der deutsche Botschafter Dietrich Becker besucht am 06. Juni 2018 das Zentrum für Zivil-Militärische Zusammenarbeit der Bundeswehr (ZentrZMZBw). Für viele Soldaten der Bundeswehr ein ungewohntes Bild. Besuch aus dem Einsatzland zu bekommen, in dem viele von ihnen erst vor wenigen Wochen/Monaten ihren Dienst geleistet haben.

Dietrich Beckers Arbeitsplatz ist die deutsche Botschaft in der malischen Hauptstadt, Bamako. Dieses Amt bekleidet Herr Becker seit dem 18. August 2015. Die Bundesrepublik Deutschland beteiligt sich seit 2013 mit aktuell 1154 Soldaten in Mali. Aktuell befinden sich acht Soldaten aus dem ZentrZMZBw im Auslandseinsatz der UN-Friedensmission MINUSMA.

Botschafter beantwortete gerne die Fragen der Soldaten

Der Einladung des derzeitigen Kommandeurs des Zentrums für Zivil-Militärische Zusammenarbeit der Bundeswehr, Oberst Mattes, folgte Dietrich Becker gerne. Für ihn war es wichtig, eine „Rückmeldung über die deutsche Botschaftsarbeit von Seiten der Bundeswehrsoldaten“ zu erhalten. Die Angehörigen des Einsatzverbandes freuten sich über eine überaus positive Wahrnehmung ihres Engagements durch den Gast, knapp 6.880km von Zuhause entfernt.


In seinem Vortrag über die Situation in Mali, stellte er die größten Herausforderungen für die Arbeit vor Ort heraus. Gegenüber dem explosiven Bevölkerungswachstum (sechs bis acht Kinder pro Familie sind keine Seltenheit) ist der wichtigste Ansatz, die schulische Bildung voranzutreiben, besonders von Mädchen. Kinderehen seien ein erheblicher Faktor für die sozialen Probleme vor Ort, so Dietrich Becker.


Trotz des bedauerlichen Scheiterns des Solarenergieprojektes „Desertec“ nannte er vergleichbare Projekte neben anderen als potenzielle Vision für die Entwicklung der Sahelzone, in der Mali liegt. Wie auch eine, aus seiner Bewertung heraus, notwendige Entwicklung des Niger-Binnen-Deltas zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation. Dies habe aber potenziell gravierende ökologische Folgen und würde die ethnische Zusammensetzung des Landes berühren. Unausgewogen sei bisher in Mali die Förderung der landwirtschaftlichen Entwicklung im Vergleich zu Stadtentwicklungsinitiativen.

In der folgenden Gesprächsrunde stellten die Soldaten sehr konkrete Fragen nach der Sinnhaftigkeit des Einsatzes der Bundeswehr in Mali.
Dabei bezeichnete Herr Becker das multinationale Engagement in Mali als „alternativlos“.

Ein Zusammenbruch des Staates sei andernfalls in wenigen Wochen zu befürchten. „30km außerhalb der Hauptstadt ist die Regierung für die Bevölkerung so gut wie nicht existent“. Sollte Mali als Staat scheitern, ist nach Auffassung des Botschafters ein „verheerender Dominoeffekt“ auf die angrenzenden Nachbarländer in Afrika und ein „unkalkulierbarer Flüchtlingsstrom nach Amerika und Europa“ zu befürchten. Schnelle, aber auch teure Leuchtturmprojekte würden demgegenüber den Menschen vor Ort Hoffnung geben. Diese seien motiviert und teils gut ausgebildet, es fehle insbesondere der jungen Generation einzig an beruflichen Perspektiven im eigenen Land.

Als Dank für den Besuch in Nienburg überreichte Oberst Mattes dem deutschen Botschafter den „COIN“ des Zentrums für Zivil-Militärische Zusammenarbeit der Bundeswehr. Die Erinnerungsmünze dient als symbolische Geste und soll das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken.

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