„Migrationshintergrund spielt keine Rolle“

Es gibt zahlreiche Wirtschaftsbetriebe, die von Migrantinnen und Migranten im Landkreis Nienburg geführt werden – von Menschen, die in erster, zweiter oder dritter Generation hier leben, sich eine eigene Existenz aufgebaut und Arbeitsplätze im Landkreis geschaffen haben. In loser Folge stellt der Fachdienst Migration und Teilhabe des Landkreises unterschiedlich große Betriebe aus verschiedenen Kommunen vor – stellvertretend für ähnliche Betriebe überall im Landkreis.

2006 machte sich Saime Şahin als Friseurmeisterin selbstständig, zuerst als mobiles Gewerbe, seit 2007 in ihrem eigenen Salon in Rehburg. Sie beschäftigt insgesamt drei Angestellte, davon zwei Minijobberinnen. Die gebürtige Türkin ist im Alter von neun Jahren mit ihren Eltern nach Wunstorf gekommen und ist mittlerweile deutsche Staatsbürgerin. Als Erwachsene hat sie noch einmal kurze Zeit in der Türkei gelebt, eine Möglichkeit, Kultur und Geschichte dieses Landes kennen zu lernen und in der Nähe ihrer dortigen Verwandtschaft zu sein. Nach zwei Jahren kam sie zurück nach Deutschland zu ihren Eltern und Geschwistern, in ihren alten Ausbildungsbetrieb. Die Weiterbildung zur Friseurmeisterin erfolgte dann parallel zur Arbeit, mit Unterstützung ihrer Eltern und ihres Mannes bei der Erziehung ihrer damals zehnjährigen Tochter.  Ihr Meistertitel gehöre daher auch ihnen,  so die dankbare Feststellung von Friseurmeisterin Şahin. Ihre Eltern wurden damals als sogenannte Gastarbeiter nach Deutschland eingeladen, erst der Vater, zehn Jahre später folgte die Familie. Zwei ihrer Geschwister sind Angestellte, ihr Bruder ist als Kfz-Meister ebenfalls selbstständig, ihre Tochter studiert Maschinenbau. Die Idee zur Selbstständigkeit sei während einer Krankheitsphase nach der Meisterschule entstanden, angeregt und ermuntert durch ihre Kundschaft, die sie im Gespräch als zweite Familie bezeichnet. „Wer nicht aus Rehburg kommt, ist Ausländer, aber wenn sie einen kennen, geben sie das letzte Hemd. Mein Migrationshintergrund spielte nie eine Rolle“, so Saime Şahin im Interview, „manche Zugewanderte benötigen allerdings Unterstützung“. Die Friseurmeisterin gründete in der Rehburger Moschee eine Frauengruppe, später war sie fast zehn Jahre im Bereich Integration und Kulturvermittlung engagiert. Zusammen mit anderen engagierten Rehburgerinnen, wie zum Beispiel Evelyn Rossa und Brigitte Hoener, bot sie Koch- und Backtreffs sowie Hausaufgabenhilfe im Jugendzentrum an. Zu Beginn ihrer Selbstständigkeit fuhr sie dieses Engagement zurück, mittlerweile arbeitet sie, so weit es ihre Arbeit zulässt, ehrenamtlich im Vorstand der türkischen Moscheegemeinde. Unterstützung fachlicher Art für die Betriebsgründung ihres Friseursalons „Style & Smile“  erhielt Saime Şahin durch die Wirtschaftsförderung im Landkreis Nienburg GmbH (WIN).  Eine 70- bis 80-Stunden-Woche sei normal, die selbstständige Arbeit müsse man lieben, sonst sei dieses Pensum  nicht zu schaffen.

Schreibe einen Kommentar