„Voll ‚eingeburgert‘ in Steimbke“

Es gibt zahlreiche Wirtschaftsbetriebe, die von Migrantinnen und Migranten im Landkreis Nienburg geführt werden – von Menschen, die in erster, zweiter oder dritter Generation hier leben, sich eine eigene Existenz aufgebaut und Arbeitsplätze im Landkreis geschaffen haben. In loser Folge stellt der Fachdienst Migration und Teilhabe des Landkreises unterschiedlich große Betriebe aus verschiedenen Kommunen vor, stellvertretend für ähnliche Betriebe überall im Landkreis.

Der deutsche und gebürtige Italiener Marco Zanella betreibt das Burger-Restaurant „Culinario“ in Steimbke. Während seiner Kindergartenzeit lebte er schon einmal für zwei Jahre in Deutschland und kehrte zu Beginn seiner Schulzeit nach Italien zurück. Dort konnte er zwar italienisch verstehen, sprach allerdings nur noch Deutsch. Sein Vater arbeitete abwechselnd als Koch in Italien und Deutschland. Marco Zanella erlernte in Italien ebenfalls diesen Beruf und ging auf Anregung seines Vater nach der Ausbildung zur Sammlung von Auslandserfahrungen nach Deutschland. Seine erste Arbeitsstelle waren die „Nienburger Stuben“, in denen sein Vater Jahre zuvor auch schon einmal gearbeitet hatte. Als damals 17-Jähriger sprach Marco Zanella nur noch italienisch, konnte allerdings Deutsch verstehen. Ab 1998 bis 2015 arbeitete er in verschiedenen Nienburger Restaurants, bevor er 2012 im Serengeti-Park Hodenhagen anfing. 80000 Restaurantgäste galt es jährlich zu verpflegen, für 30000 Gäste als Büffetangebot .

„Das, was ich dort gelernt habe und meine Marktforschung über die Essenswünsche der Gäste führten dazu, dass ich mich selbstständig machte“.

Wo geht der Trend hin, wo kann ich die besten Umsätze machen? Die Antworten auf diese Fragen führten zur Gründung des Burger-Restaurants „Culinario“ in Steimbke. „In Hodenhagen arbeitete ich in der Hochsaison von 7 bis 23 Uhr als Angestellter, das wollte ich dann lieber als Selbstständiger“, so Marco Zanella im Interview. 2015 startete er sein Restaurant mit einem Festangestellten und vier Aushilfen, zwei Jahre später erweiterte Marco Zanella sein Angebot um einen Food-Truck. Mit diesem ist er auf dem Machseefest, Schützenfesten und Firmenjubiläen über die Kreisgrenzen hinaus im Einsatz, ein zweiter Food Truck ist bereits bestellt. Mittlerweile beschäftigt Zanella 10 Festangestellte und eine Aushilfe. Im „Culinario“ wird ein Geflüchteter zur Fachkraft im Gastgewerbe ausgebildet, ab Februar 2019 kommt ein zweiter Auszubildender hinzu. Beide begannen vorab als Aushilfe, dann arbeiteten sie in Vollzeit. Bis vor zwei Jahren arbeitete Marco Zanella noch selber in der Küche seines Restaurants. Heute bestehe sein Arbeitsalltag, so der Firmenchef, zu 90% aus Angeboten, Marketing, Werbung und Vertrieb. Entsprechende Lehrgänge besuchte Zanella nie, „ich habe mir alles selber beigebracht“. Sein Steuerberater riet ihm ursprünglich von seiner Geschäftsidee ab – jetzt „bin ich aber voll „eingeburgert“ in Steimbke“.

An Steimbke schätzt er dessen gute Verkehrsanbindung und die erschwinglichen Quadratmeterpreise. Seine Eltern leben beide ebenfalls wieder in Deutschland, seine Mutter ist in seinem Betreib angestellt.

Auf seine Zukunftspläne angesprochen, erwidert der Gastronom, dass sein Betrieb weiter wachsen soll, ein Milchshake-Stand, ein Sandwich- und Pommes-Konzept sind für den Catering-Bereich in Planung und teilweise schon umgesetzt. „Langfristig von 360 auf 160 Arbeitsstunden zu kommen, wäre schön, aber dafür müsste ich auch entsprechendes Personal finden“, so der Unternehmer, der auf sein sehr gutes Team verweist, das auch nach Feierabend mit ihm noch zusammen sitze und neue Ideen bespreche.

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